Wir alle kennen dröge Amtsschreiben und Formulare, die einen einschläfern, bevor man das letzte Wort gelesen hat. Sie arbeiten viel mit Substantivierungen („die Absicherung der Zuteilung des adäquaten Umfangs von Aufgaben unter Berücksichtigung …“), die einen Text schwerfällig und je nach Länge auch nahezu unlesbar machen. Kein Lesefluss nirgends, nur Wüste.
Diese Art des Schreibens findet man besonders häufig in wissenschaftlichen Texten, die komplexe Sachverhalte kompakt darzustellen versuchen.
Es gibt aber auch in Romanen einige Verben und Konstruktionen, die eine ähnliche Wirkung haben, weil sie besonders technisch und bürokratisch klingen und dadurch Distanz herstellen. In aller Regel wollen wir aber genau das im Roman nicht. Leser*innen sollen in die Geschichte hineingezogen werden, mit den Figuren fühlen oder sich eine Szenerie möglichst lebhaft vorstellen können!
Ein Beispiel:
„Der Garten wies einen Teich und zwei Pflaumenbäume auf.“
Oder:
„In einem Stapel Bücher befand sich ein altes Kochbuch ihrer Großmutter.“
Oder:
„Bei ihrem Hund handelte es sich um einen Cockerspaniel.“
Welches Gefühl vermitteln diese Sätze? Der Ton jedenfalls ist ziemlich förmlich. Verben und Formulierungen wie „aufweisen“, „sich befinden“, „es handelt sich um“, „bestehen aus“, „es sorgte dafür, dass …“ klingen nach amtlichem Protokoll oder Polizeibericht, nicht aber nach einem Roman.
Aber wie entstaubt man jetzt solche Aktenordnersätze?
Andere Verben verändern hier schon eine ganze Menge:
„Im Garten standen zwei Pflaumenbäume neben einem kleinen Teich.“
„Aus dem Bücherstapel ragte ein altes Kochbuch ihrer Großmutter hervor.“
„Sie hatte einen Cockerspaniel.“
Verben wie „stehen“, „herausragen“ und „haben“ sind simpel, aber genau dadurch wirkungsvoll. Die Sätze wirken luftiger. Oft fürchtet man beim Schreiben, dass Verben wie diese zu schmucklos oder unkreativ sind und sucht nach gewichtigeren Alternativen. Das ist hier und dort sicher angebracht, allerdings sollte man darauf achten, dass ihr Gewicht am Ende nicht den ganzen Satz erdrückt.
Falls euch also in euren Texten demnächst so eine Formulierung unterkommt, wisst ihr, was zu tun ist: Bürokratiebbau! 😉
